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Kapstadt

(I’ve done it, Rene – I climbed Table Mountain!)

An meinen ersten Tag in Kapstadt war optimales Wetter für eine Besteigung des Tafelbergs angesagt, und so habe ich mich auf den schweißtreibenden Weg nach oben begeben. Wunderbare Blumen und Büsche, ein toller Blick über die Stadt, die Bucht und die nahen und fernen anderen Berge.

Flora am Tafelberg - ich nehme an eine Orchideenart

Flora am Tafelberg – ich nehme an eine Orchideenart

noch ist es nicht so steil..

noch ist es nicht so steil..

Die letzten Meter des “Platteklipp George” Wegs wurden jedoch immer anstrengender, da es doch sehr steil nach oben geht. Ein Mitwanderer sagte sehr treffend: es ist nicht der höchste Berg den ich bestiegen habe, aber wahrscheinlich am meisten Höhenmeter in kürzester Zeit.

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Oben auf etwas mehr als 1000 m über dem Meeresspiegel genoss ich die tolle Aussicht und fuhr mit der Seilbahn wieder hinunter. Eine tolle Wanderung!

Blick vom Tafelberg runter auf Lions Head

Blick vom Tafelberg runter auf Lions Head

Mit einem der roten Doppeldecker-Touristenbusse fuhr ich an der Küste entlang und bis zur Waterfront, teils als Hafen genutzt aber vor allem ein riesiges Vergnügungs- und Shopping-Paradies.

Stellenbosch (Kapregion)

Eine hübsche Universitätsstadt in der ich vom Bürgermeister höchstpersönlich willkommen geheißen wurde: die Stadtführerin hatte gerade einige Sätze gesagt als neben uns ein schicker Mercedes hielt und der Bürgermeister ausstieg. Ein charmanter Mann, der mit uns Touristen plauderte, scherzte und stolz von seiner Stadt als der Innovationsstadt sprach und einige der technologischen Errungenschaften made in Stellenbosch aufzählte.

Touristen aus England, Bürgermeister Conrad Sidego und ich vor der Touristinfo in Stellenbosch

Touristen aus England, Bürgermeister Conrad Sidego und ich vor der Touristinfo in Stellenbosch

Nach diesem spontanen Zwischenfall liefen wir durch die zweitälteste europäische Siedlung in Südafrika. Der Holländer Simon van der Stel, Gouvereneur in Kapstadt, hatte die Stadt Ende des 18. Jh. gegründet und sie wurde nach ihm benannt. Sie hat auch den Beinamen Eichenstadt, da der Stadtgründer viele Eichen pflanzen ließ um daraus Eichenfässer für den Wein der Region herzustellen. Das misslang: die Eichen wuchsen in Afrika schneller als in Europa weshalb das Holz durchlässig wurde und die Eichenfässer auch heute noch aus Europa importiert werden müssen. Hübsch sind die überall präsenten Eichen trotzdem, vor allem jetzt im Frühling, wo sie noch in frischem Hellgrün strahlen.

Es war gerade um die Mittagszeit und viele Arbeiter machten gerade Pause. Einige hatten sich in einen gepflegten Park in den Schatten gelegt, ein anderer auf eine der vielen Kunst-Bänke gesetzt die überall in der Stadt aufgestellt sind.

Mittagspause mit Zeitung auf Kunstwerk. Schnappschuss aus Stellenbosch.

Mittagspause mit Zeitung auf Kunstwerk. Schnappschuss aus Stellenbosch.


In der Stadt gibt es etliche schöne Häuser und Kirchen aus dem 19. Jh, sie sind strahlend weiß und haben oft mit Reet gedeckten Dächer.
Kirche in Stellenbosch

Kirche in Stellenbosch


Stellenbosch hat definitiv viel Charme mit seinen vielen Cafes, Restaurants, geschmackvollen Souvenirläden und eher edlen Boutiquen und eben den Häusern im kapholländischen Stil und den vielen Eichen.
Vor der Kunstschule in Stellenbosch: Muli aus alten Gummireifen.

Vor der Kunstschule in Stellenbosch: Muli aus alten Gummireifen.

Knysna (Garden Route)

Im Norden war die Landschaft braun und beige, vom trockenen Winter verdorrtes Gras, nur ab und an mal ein khakigrüner Eukalyptusbaum. Hier weiter südlich, an der berühmten Gardenroute plötzlich saftig grüne Wiesen und gelb blühende Büsche.

Nationalsymbol: Protea, aufgenommen im Pledge Nature Reserve

Nationalsymbol: Protea, aufgenommen im Pledge Nature Reserve

Das volle Kontrastprogramm zu Swaziland und Johannesburg auch kulturell: viele Weiße, Nachfahren der Holländer und französischen Hugenotten, die vor mehreren hundert Jahren hier anfingen zu siedeln. Statt den “schwarzen” Sprachen isiZulu und isiXhosa ist hier vermehrt Afrikaans präsent. Und mit dem Ferienort Knysna hatte ich mir wohl eine Art südafrikanisches Sylt rausgesucht: eine exquisite Ferienwohnungssiedlung, teuer aussehende Häuser mit Blick auf die Bucht, gepflegte Golfplätze, im Hafen einige kleinere Yachten, und an der Waterfront (Hafenpromenade) relativ teure Boutiquen.

Thesen House (19. Jhd.) im Zentrum Knysnas beherbergt u.a. eine Kunstgalerie

Thesen House (19. Jhd.) im Zentrum Knysnas beherbergt u.a. eine Kunstgalerie

Im Stadtzentrum gab es neben modernen Einkaufszentren und Häusern im viktorianischen Stil aber auch “schwarze” Ecken: den geschäftigen Busbahnhof (die Weißen haben Autos und sind nicht auf die oft überfüllten Minibusse angewiesen) und in den angrenzenden Straßen kleine improvisierte Stände an denen Obst und Gemüse, merkwürdige Wurzeln und Kräuter verkauft wurden.

In der Thesen Art Gallery: "The Ancestors and the Liberation" von El Anatsui (Ghana), Holz, Tempera und Metall ( von Kronkorken, Dosen)

In der Thesen Art Gallery: “The Ancestors and the Liberation” von El Anatsui (Ghana);  Holz, Tempera und Metall ( von Kronkorken, Dosen)

Ich lieh mir ein Fahrrad und erkundete damit die Stadt. Außerdem lief ich die steile Straße zu einem Aussichtspunkt hoch und genoss den Blick über die Lagune und die Stadt. Am nächsten Tag ging ich in eine Kunstgalerie (s. Foto), machte einen längeren Spaziergang in einem Naturschutzgebiet und eine Bootsrundfahrt durch die Lagune.

Aussichtspunkt oberhalb der Stadt. Der Fußmarsch da hoch hat sich gelohnt!

Aussichtspunkt oberhalb der Stadt. Der Fußmarsch da hoch hat sich gelohnt!

Das Wetter war leider nicht so toll, meistens bewölkt und um die 18 Grad tagsüber und nachts um die 12 Grad. Ich habe eine Erkältung und fror deshalb in den ungeheizten Räumen meiner Unterkunft.

Durban bei Kessie & Rene

English version below!

Kaum Sightseeing dafür ein Eintauchen in den Alltag der indischstämmigen Bevölkerung – das war Durban für mich, und es war toll!

Kleiner Rückblick: ich wollte ja schon sehr lange nach Südafrika und Swaziland reisen, wusste aber nie so recht, wie: eine organisierte Busreise wollte ich nicht, für eine geführte Selbstfahrer-Safari konnte ich mich ebensowenig begeistern und einfach so mit Bus und Bahn wie ich hier in Europa reisen würde das traute ich mich alleine nicht.

Dann hörte ich von BazBus, einem Busservice wo man im Backpacker Hostel abgeholt wird und bei einem nächsten Stop wieder bis zum Hostel gebracht wird. Perfekt für mich! Kessie hatte mir davon erzählt und mich ermutigt, meinen Südafrika-Traum wahr werden zu lassen. Kessie habe ich über meinen Job kennengelernt und er lud mich ein, das Wochenende mit ihm und seiner Frau Rene in einem Vorort von Durban zu verbringen.

Die beiden heißen eigentlich Kesuval und Rennigee, sind praktizierende Hindus, sprechen jedoch Englisch miteinander da sie Indien nur von einer Urlaubsreise her kennen: ihre Großväter kamen schon als Kinder nach Südafrika.

indische Saris und Co. in einem Vorort Durban

indische Saris und Co. in einem Vorort Durbans

Am Samstag fuhren wir zu einem indischen Einkaufszentrum. In den Geschäften sah ich duzende Rollen farbenfroher Stoffe für Saris, traditionnelle Anzüge für Männer, kitschigen Schmuck, unzählige Gewürze und Accessoires für religiöse Zeremonien. Im Bangladesh Market dann ganz viele Obst- und Gemüsestände aber ich probierte auch indische Teigtaschen (Samossa).

Die indischstämmige Bevölkerung ist hier in Durban zahlenmäßig stark vertreten. An der Golden Mile, der Strandpromenade Durbans, sah ich jedoch auch einige vollverschleierte Muslima, coole schwarze Jugendliche mit ihren Skateboards und urlaubende Afrikaaner (das sind die Weißen, die mal vor Jahrhunderten aus Holland oder Frankreich gekommen sind).

Hindutempel, Moschee und anglikanische Kirche sind hier teilweise buchstäblich Tür an Tür nebeneinander.

An Durbans Golden Mile (Strandpromenade) gibt es einen großen Skatepark. Coole Jugendliche und ein paar neugieriege Touristen schauen den Boardern zu. // Durban, Golden Mile. Cool kids watching skateboarders.

An Durbans Golden Mile (Strandpromenade) gibt es einen großen Skatepark. Coole Jugendliche und ein paar neugieriege Touristen schauen den Boardern zu.
// Durban, Golden Mile. Cool kids watching skateboarders.

Aus Kessies Sicht sind die Inder die Verlierer im neuen Südafrika. Während der Apartheid waren die Inder genauso benachteiligt wie Schwarze.  Seit dem Ende der Apartheid werden Schwarze bevorzugt eingestellt und die Inder haben das Nachsehen. Kessie berichtete mir auch von Schwarzen, die Sozialleistungen des Staates missbrauchen und zu unrecht teilweise zwei Sozialwohnungen zugeteilt bekommen, kostenlosen  Strom und Wasser inklusive. Unter Präsident Zuma gäbe es zudem viel mehr Korruption als unter Mandela oder seinem Nachfolger Mbeki.

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Die Einfamilienhäuser in Durban sind genau so stark gesichert wie in Johannesburg, in Kessies Haus konnte ich sehen, wie weit das geht: hohe Mauern rund ums Grundstück, ein (Wach-)Hund (ein ganz lieber kleiner Jack Russel Terrier), überall vergitterte Türen und Fenster, extra Türverriegelungen und eine Alarmanlage im Haus, in jedem Zimmer Bewegungsmelder. Wenn ich nachts vom Schlafzimmer bis zur Küche gegangen wäre, hätte das Alarm ausgelöst. Ein Leben hinter Gittern, mit allabendlichem Einschalten der Alarmanlage und minutenlangem Türenverriegeln im ganzen Haus jedesmal wenn man das Haus verlässt.

Am Sonntag fuhren wir kurz da vorbei wo Kessie arbeitet, eine Fabrik in einem Industriegebiet. Später konnte ich Renes Büro sehen, ein Familienbetrieb in dem sie mit ihrem Bruder arbeitet.

Dieser Sonntag war Verwandtenbesuchstag. Ein Cousin von Rene ist krebskrank und das war das erste Wochenende seit zwei Monaten dass es ihm so gut ging, dass er Besuch empfangen konnte. 20 is 30 Familienmitglieder waren im Laufe des Nachmittags da, immer wieder wurde neu Tee ausgeschenkt, drängte die Gastgeberin dass man doch die Samossas oder Kekse probieren sollte, immer neue und mehr Snacks wurden aufgetischt. Obwohl ich noch gut satt vom Mittagessen war, probierte ich von fast allem ein wenig. Auch in diesem Haus hörte ich kein einziges Wort Hindu oder Tamil, nur Englisch, aber alle hatten indische Namen, die für mich natürlich schwer zu merken waren.

Später fuhren wir noch kurz bei Renes Bruder vorbei, dessen Töchter und Frau mich neugierig über Deutschland ausfragten: was kostet ein Brot, wie sehen die Häuser aus, gibt es viele Obdachlose, was macht ihr um Energie zu sparen, fahren viele Leute Mercedes-AMGs (die Familie ist mit diesen Autos ausgestattet) und wie ist das Schulsystem?

rechts im Bild Rene, links ihr Bruder, seine Frau und Töchter. Rene on the right, on the left side Renes brother, his wife and daughters

rechts im Bild Rene, links ihr Bruder, seine Frau und Töchter.
Rene on the right, on the left side Renes brother, his wife and daughters

Überall hier wurde ich herzlich aufgenommen, von Renes Familie und natürlich von Rene und Kessie selber. Rene kochte vorzüglich und las mir jeden Wunsch von den Augen ab (so kam ich zu einem kleinen Portmonnaie und muss mir Geld nicht weiter in die Hosentaschen stecken) und Kessie und Rene sind einfach wunderbare Menschen, die Freundlichkeit und Zufriedenheit ausstrahlen.

——

I had a wonderful week-end at Kessie’s and Rene’s home in Durban. I am doing business with Kessie and he was the one who told me about the hop-on-hop-off door-to-door bus called BazBus and encouraged me to realize my dream of travelling Swaziland and South Africa. 

Not much sightseeing this week-end but lots of everyday life and and insight into the indian community of Durban.

Kessie and Rene’s grandparents have come from India to South Africa, so  dispite their indian names, religion (Hindu) and traditions (food, wearing Saris on some occasions etc.), they speak  English all of the time. 

On saturday, we went to indian shops and a market: colorful Sari cloths, a multitude of spices, fruits and vegetables, tacky jewellery and the latest Bollywood movies along with accessoires for religious ceremonies.

We also went to the Golden Mile, Durbans beachfront, where I could see the diversity of Durbans inhabitants. Durban has a very big indian community, but on the beachfront there were also some muslim ladies in Shadors and cool black kids with their skateboards just beside white Afrikaners having a braai (BBQ).

The next day, I could see where Kessie and Rene work (a plant in an industrial area for Kessie and an in-home office in a family business run by Renes brother).

Sunday was family day, we visited Rene’s Cousins family where at least 20 to 30 familiy members gathered. With every arrival of new people, freshly brewed tea would be served and everybody would be pushed to eat of the variety of snacks on the table. We have had lunch just before, but I was curious to taste these different kind of biskuits, samossas etc. so I ended up tasting most of them.

Then, at Rene’s brother’s house, his teenage daugther(s) and wife would ask me a lot about Germany: how much does a bread cost? what is the school system like? are there a lot of homeless people? how are the houses build? Do a lot of people have Mercedes AMG cars (the family has two of them)?

Everywhere I was heartily welcomed, at Renes family but especially by Rene and Kessie. Rene is a good cook and she would read every wish from my eyes, make me presents and provide me with everything I needed and more. I had interesting talks with the two of them and they are just wonderful people full of kindness and inner harmony. I am grateful and happy about this weekend.

Johannesburg

Hohe Mauern mit Stacheldraht oder Elektrozaun, vergitterte Fenster und überall Warnschilder (“armed response”) privater Sicherheitsdienste – so sehen die Einfamilienhäuser in Johannesburg aus. 

Im Stadtzentrum teilweise erschreckend viele verwaiste Hochhäuser aus den 60er/70er Jahren, eigeschlagene oder zugemauerte Fenster inklusive. 

Im Stadtzentrum von Johannesburg: einige leerstehende Hochhäuser mit eingeschlagenen oder zugemauerten Fenstern.

Im Stadtzentrum von Johannesburg: einige leerstehende Hochhäuser mit eingeschlagenen oder zugemauerten Fenstern.

In den Central Business District, kurz CBD, sowie einige andere Ecken der Stadt sollte man als Tourist sogar bei Tageslicht nicht gehen.

Ich nehme also einen dieser roten Doppeldecker-Busse für Touristen, die auch in vielen europäischen Metropolen (geh-)faule Besucher von Highlight zu Highlight durch die Stadt fahren. 

Über Kopfhörer bekomme ich interessante Infos über die Stadt: Jo’burg entstand erst ab 1886 aus einer Ansammlung von Zelten, als hier Gold gefunden wurde. Es ist die einzige Großstadt der Welt, die an keinem Gewässer liegt, Trinkwasser muss deshalb über hunderte Kilometer in die Stadt transportiert werden.

Ich fahre mit dem Lift hinauf in den 50. Stock des höchsten Gebäudes ganz Afrikas, den Carlton Tower. Von hier aus hat man einen tollen Blick über die Stadt. 

 

Johannesburg vom Carlton Center aus

Johannesburg vom Carlton Center aus

Wichtiger Stop außerdem das Apartheid Museum, das direkt neben einem Vergnügungspark liegt. Für das Museum sollte man wohl besser einen Tag einplanen, ich bin ein bisschen erschlagen von den vielen interessanten Informationen. Es gibt viele Filmdokumente, Fotos, original Schilder von damals (“nur für Weiße/Europäer”), drei winzige Zellen in denen politische Häftlinge teilweise über 400 Tage lang in Einzelhaft gehalten werden konnten und einen der mächtigen Polizeipanzer, die gegen die Schülerproteste in Soweto in den 70er Jahren eingesetzt wurde.

Auch wenn das Viertel um die Universität (Bramfonstein) wesentlich freundlicher als die Innenstadt ist, in Johannesburg habe ich mich nicht “verliebt” wie die Kopfhörerstimme im Touristenbus prophezeit hat.

Swaziland

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Meine Reiseroute

So sah übrigens meine Reiseroute aus

In Rigas Altstadt wimmelt es nur so von Touristen, deshalb machte ich einen Rundgang außerhalb, wo es viele Jugendstilhäuser gibt. Insgesamt wohl 200 Häuser, was Riga zur Hauptstadt des Jugendstils macht. An den Fassaden Eulen und andere Tiere, schöne Frauen, muskelbepackte Männer, Blätter und Ranken und ähnliches.

Altstadt von Riga: Schwabenhaus, Roland und Schwarzhäupterhaus.

Kuppeln der russisch-orthodoxen Kirche in Riga.

Am 23. abends war Janis, sowas wie Sommersonnwendfeier und der wichtigste lettische Feiertag. Sehr viele Frauen hatten kunstvolle Kränze aus Blumen, Blättern und/oder Getreideähren in den Haaren und manche Männer Kränze aus Eichenlaub. Am Flussufer war eine Art Volksfest-Meile eingerichtet mit Bierbänken, Essensständen (Schaschlik-Spieße und Co.) und einer Bühne auf der spezielle Janis-Volkslieder gespielt und gesungen wurden. Das Sonnwend-Feuer habe ich leider nicht mehr mitgekriegt, da war ich schon müde in meinem Hostel.

Trachten, Blumenkränze und deftiges Essen – Essensstand beim Janis-Fest

 

Das Problem mit dem Feiertag war, dass am nächsten Tag sämtliche Museen und Geschäfte geschlossen hatten. Also war ich in keinem einzigen Museum in Riga und Souvenirs habe ich auch auf der gesamten Reise keine gekauft.

Ich machte eine Art alternative Stadtführung auf Spendenbasis (“Riga free tour”) mit, die leider ziemlich verregnet war. Aber die junge Führerin zeigte uns alles mögliche Außerhalb der Altstadt, mit teils makaberem Hintergrundwissen wie z.B. dem dass einmal die Vorstädte abgefackelt wurden weil man glaubte, Napoleon würde auf die Stadt zumarschieren. Tatsächlich – so erzählt man sich – war es nur ein Fehlalarm von einer betrunkenen Wache, die angeblichen Truppen waren eine Schafsherde und Napoleon war niemals in Riga. (Ach ja, die Letten sind übrigens Europameister im Trinken).

Außerdem fuhr ich noch in den siebzehnten Stock von “Stalins Geburtstagstorte”, einem Gebäude das so heisst weil es gewisse Ähnlichkeit mit einer mehrstöckigen Torte hat. Die Aussicht von da oben war ganz nett und ich war an diesem Feiertag alleine dort oben (und froh, dass es überhaupt geöffnet war).

 

“Stalins Geburtstagstorte” in Riga.

Mein Aufenthalt in Sigulda begann mit einem kleinen Abenteuer: ich war zum ersten Mal während meiner Reise mit der Bahn gefahren und versehentlich eine Station zu früh ausgestiegen. Rundum nur Wald, kein einziges Haus zu sehen, nicht mal eine Straße! Nur ein Waldweg. Nach einer viertel Stunde Fußmarsch traf ich auf eine Landstraße, aber keine Spur von dem vom Hotel bestellten Taxi. Ich lief los, mit meinem geschätzten 15kg schweren Rucksack auf dem Rücken. Nach einer gefühlten Ewigkeit las mich der Taxifahrer auf und brachte mich sicher in die kleine Stadt, da war es dann schon zehn Uhr abends.

Hallo Sascha 😉

 

Am nächsten Tag besichtigte ich Cesis, die “lettischste aller lettischen Städte” (unter anderem weil hier Ende der 80er zum ersten mal an einem öffentlichen Gebäude die lettische Flagge gehisst wurde – was sicherlich verboten war zu Sowjet-Zeiten).

Burg in Césis, Lettland

Die mittelalterliche Burg in Cesis war ziemlich beeindruckend, umso unverständlicher folgender Dialog unter deutschen Touristen:
Frau 1 (die Neugierige, sie war als einzige der Gruppe zur Eintrittskasse der Burg gelaufen):”also, es kostet 1,50 LVL Eintritt für Pensionäre, aber was das genau ist konnte ich nicht herausfinden”
Frau 2 (die langsame, kostenoriente): eins fünfzig – Euro?
Frau 1: “nein, LVL” (wie die Landeswährung heißt war ihr wohl nicht geläufig)
Frau 2: “ja, und was ist das, was kann man da sehen?”
Frau 1: “ja das weiss ich ja eben nicht.”
Jemand anderes aus der Gruppe: “da vorne gibt’s ein WC!”
Frau 2 (die kostenorientierte): “WC? Wieviel kostet es?”
…Und so verpassten sie DIE Sehenswürdigkeit schlechthin von Cesis und gingen stattdessen… aufs Klo!!

 

Für den Weg nach oben in den Turm der Burg bekam ich eine Laterne

In Sigulda mietete ich mir ein Rad und fuhr damit zu Aussichtspunkten (Gauja-Tal) und zur gerade erst wieder eröffneten Burg(ruine), ursprünglich von den Kreuzrittern erbaut. Das Holz roch noch ganz frisch, in einem der Türme ein nagelneuer Aufzug nach oben und an der Kasse eine nette junge Frau im mittelalterlichen Kostüm.

2012 neu eröffnet mit Holzelementen die die Ruine ergänzen: Burg Sigulda. Gefördert durch den EU-Regionalfonds (wie so vieles in Litauen und Lettland, ich habe selten so oft das EU-Zeichen gesehen wie bei dieser Reise).

 

Der Kontrast zu soviel mittelalterlichen Burgen an dem Tag: Bungeespringen! Eigentlich wollte ich nur mit der Seilbahn auf die andere Talseite rüberfahren, aber es hieß: heute abend nur noch Bungee-Sprünge. Also sprang ich. Aus der Gondel, 40m über dem Fluss. Rundum Wälder, Burgen und die langsam untergehende Sonne.

vor dem Sprung

Ankommen am Flussufer

 

Die Seilbahn schwebt über dem Fluss

 

Am nächsten Tag ächzte ich mit dem Fahrrad den Berg hoch zur nächsten Burg, an die ein ganzes Freilichtmuseum angeschlossen war. Was die Bus-Touristengruppen natürlich kaum interessierte (die konzentrierten sich voll auf die Burg), aber um so besser für mich.

Sauna aus dem 19. Jahrhundert. Es duftete überall nach frischen Blumen und Grünzeug, das zum Trocknen aufgehängt war und anscheinend für das Saunaritual benutzt wurde. (Freilichtmuseum Tureida)

Burg Tureida (Blick vom Turm runter auf den Fluss Gauja)

Bar “Makks un Morics” 🙂

Kaum hatte ich meinen Litauisch-Wortschatz innerhalb einer Woche von eins auf geschätzte 20 Wörter gesteigert, ging’s ans umgewöhnen. Lettisch hat gewisse Ähnlichkeiten mit Litauisch, hört sich aber sehr anders an.

In Liepaja war ich in einem ziemlich coolen Hotel: mein Zimmer war teils rosa gestrichen, teils mit Kuss-Szenen aus alten Schwarzweissfilmen tapeziert, uriger Holzfußboden, die Dachschräge und ein sehr bequemes altes Ledersofa sorgten für Gemütlichkeit.

Hotel “Fontaine”, Liepaja: Aufenthaltsbereich

Mein Zimmer – bzw. ein Ausschnitt davon – im Hotel Fontaine. Das außergewöhnlichste Hotel in dem ich jemals war.

In der Stadt war Musik sehr präsent: als Wegweiser für einen Stadtrundrang dienten in den Boden eingelassene silberne Musiknoten, in der Fußgängerzone dudelte Musik des dort befindlichen Radiostudios und ein paar Meter weiter im “Latvian First Rockcafé” lief alles von Elvis und den Beatles über Guns ‘n’ Roses bis hin zu Pink. Schon zu Sowjetzeiten gab es in der Stadt ein großes Rockfestival und jetzt gibt es wohl auch mehrere Musik-Festivals.

Straßenecke

Liepaja – city of Rock

Ich mietete – mal wieder – ein Rad und erkundete so die Stadt (leider sind die Straßen da recht fahrraduntauglich: grobes Kopfsteinpflaster fast überall). Fuhr zum Strand (Ostsee!) und entdeckte einige nette ehemalige Sommerhäuser, bummelte etwas über den Markt und erlebte abends um elf (!!) den Sonnenuntergang an den Docks (tja, je nördlicher desto länger bleibt’s im Sommer abends hell).

Aufgenommen um kurz nach elf abends! Die Docks waren früher für Zivilisten Sperrzone, und auch die beiden Schiffe auf dem Bild sahen ziemlich wenig zivil aus. Zu Sowjetzeiten war ein Drittel der Stadt militärisches Sperrgebiet und Liepaja ein wichtiger Marinestützpunkt.

Detail Häuserfassade

Markt und Markthalle Liepaja

Ostseestrand mit feinstem Sand

Sommervilla nahe dem Strand

Sehr berührt hat mich mein Besuch im Besatzungsmuseum. Am Empfang saß ein schon um 11 Uhr morgens nach Alkohol riechender Russe, der kaum Englisch sprach aber sich rührend bemühte, mir das Museum zugänglich zu machen. Erstmal indem er mich umsonst reinließ, und dann versuchte, mit seinen wenigen Brocken Englisch mich auf einige besonders interessanten Dinge in der Ausstellung hinzuweisen. Die war nämlich komplett auf lettisch, aber anscheinend war ein Audioguide auf Englisch in Vorbereitung und er drückte er mir die Texte dazu in die Hand. So streifte ich durch die menschenleere Ausstellung.
Lettland war – ähnlich wie Litauen – zuerst von den Russen, dann kurz von den Nazis und dann wieder von den Russen besetzt, und diese Okkupationszeiten zeichnete die Ausstellung nach mithilfe von Fotos, Dokumenten, Postern und etlichen original Gegenständen: Zum Beispiel dem Molotov-Rippentorp-Protokoll, das das Schicksal der baltischen Staaten besiegelte. Oder einem Foto des Stadtzentrums des damaligen Liebau nach dem zweiten Weltkrieg, eine Steinwüste, in der gerade mal noch zwei Häuser heil geblieben waren. Oder eine original Wahlurne aus Sowjetzeiten: es war vorgeschrieben, dass in den Wahllokalen ein Porträt von Stalin hängen musste (dabei stand das Wahlergebnis doch sowieso schon von vorne herein fest!). Im Flur des Museums hingen meterlange Listen mit Namen von Letten, die von den Sowjets in entlegene Regionen Russlands deportiert wurden.
Der Schluss der Ausstellung war dann weniger düster: die Unabhängigkeit Lettlands 1991.