Feeds:
Posts
Comments

Archive for June, 2012

Meine Reiseroute

So sah übrigens meine Reiseroute aus

Advertisements

Read Full Post »

In Rigas Altstadt wimmelt es nur so von Touristen, deshalb machte ich einen Rundgang außerhalb, wo es viele Jugendstilhäuser gibt. Insgesamt wohl 200 Häuser, was Riga zur Hauptstadt des Jugendstils macht. An den Fassaden Eulen und andere Tiere, schöne Frauen, muskelbepackte Männer, Blätter und Ranken und ähnliches.

Altstadt von Riga: Schwabenhaus, Roland und Schwarzhäupterhaus.

Kuppeln der russisch-orthodoxen Kirche in Riga.

Am 23. abends war Janis, sowas wie Sommersonnwendfeier und der wichtigste lettische Feiertag. Sehr viele Frauen hatten kunstvolle Kränze aus Blumen, Blättern und/oder Getreideähren in den Haaren und manche Männer Kränze aus Eichenlaub. Am Flussufer war eine Art Volksfest-Meile eingerichtet mit Bierbänken, Essensständen (Schaschlik-Spieße und Co.) und einer Bühne auf der spezielle Janis-Volkslieder gespielt und gesungen wurden. Das Sonnwend-Feuer habe ich leider nicht mehr mitgekriegt, da war ich schon müde in meinem Hostel.

Trachten, Blumenkränze und deftiges Essen – Essensstand beim Janis-Fest

 

Das Problem mit dem Feiertag war, dass am nächsten Tag sämtliche Museen und Geschäfte geschlossen hatten. Also war ich in keinem einzigen Museum in Riga und Souvenirs habe ich auch auf der gesamten Reise keine gekauft.

Ich machte eine Art alternative Stadtführung auf Spendenbasis (“Riga free tour”) mit, die leider ziemlich verregnet war. Aber die junge Führerin zeigte uns alles mögliche Außerhalb der Altstadt, mit teils makaberem Hintergrundwissen wie z.B. dem dass einmal die Vorstädte abgefackelt wurden weil man glaubte, Napoleon würde auf die Stadt zumarschieren. Tatsächlich – so erzählt man sich – war es nur ein Fehlalarm von einer betrunkenen Wache, die angeblichen Truppen waren eine Schafsherde und Napoleon war niemals in Riga. (Ach ja, die Letten sind übrigens Europameister im Trinken).

Außerdem fuhr ich noch in den siebzehnten Stock von “Stalins Geburtstagstorte”, einem Gebäude das so heisst weil es gewisse Ähnlichkeit mit einer mehrstöckigen Torte hat. Die Aussicht von da oben war ganz nett und ich war an diesem Feiertag alleine dort oben (und froh, dass es überhaupt geöffnet war).

 

“Stalins Geburtstagstorte” in Riga.

Read Full Post »

Mein Aufenthalt in Sigulda begann mit einem kleinen Abenteuer: ich war zum ersten Mal während meiner Reise mit der Bahn gefahren und versehentlich eine Station zu früh ausgestiegen. Rundum nur Wald, kein einziges Haus zu sehen, nicht mal eine Straße! Nur ein Waldweg. Nach einer viertel Stunde Fußmarsch traf ich auf eine Landstraße, aber keine Spur von dem vom Hotel bestellten Taxi. Ich lief los, mit meinem geschätzten 15kg schweren Rucksack auf dem Rücken. Nach einer gefühlten Ewigkeit las mich der Taxifahrer auf und brachte mich sicher in die kleine Stadt, da war es dann schon zehn Uhr abends.

Hallo Sascha 😉

 

Am nächsten Tag besichtigte ich Cesis, die “lettischste aller lettischen Städte” (unter anderem weil hier Ende der 80er zum ersten mal an einem öffentlichen Gebäude die lettische Flagge gehisst wurde – was sicherlich verboten war zu Sowjet-Zeiten).

Burg in Césis, Lettland

Die mittelalterliche Burg in Cesis war ziemlich beeindruckend, umso unverständlicher folgender Dialog unter deutschen Touristen:
Frau 1 (die Neugierige, sie war als einzige der Gruppe zur Eintrittskasse der Burg gelaufen):”also, es kostet 1,50 LVL Eintritt für Pensionäre, aber was das genau ist konnte ich nicht herausfinden”
Frau 2 (die langsame, kostenoriente): eins fünfzig – Euro?
Frau 1: “nein, LVL” (wie die Landeswährung heißt war ihr wohl nicht geläufig)
Frau 2: “ja, und was ist das, was kann man da sehen?”
Frau 1: “ja das weiss ich ja eben nicht.”
Jemand anderes aus der Gruppe: “da vorne gibt’s ein WC!”
Frau 2 (die kostenorientierte): “WC? Wieviel kostet es?”
…Und so verpassten sie DIE Sehenswürdigkeit schlechthin von Cesis und gingen stattdessen… aufs Klo!!

 

Für den Weg nach oben in den Turm der Burg bekam ich eine Laterne

In Sigulda mietete ich mir ein Rad und fuhr damit zu Aussichtspunkten (Gauja-Tal) und zur gerade erst wieder eröffneten Burg(ruine), ursprünglich von den Kreuzrittern erbaut. Das Holz roch noch ganz frisch, in einem der Türme ein nagelneuer Aufzug nach oben und an der Kasse eine nette junge Frau im mittelalterlichen Kostüm.

2012 neu eröffnet mit Holzelementen die die Ruine ergänzen: Burg Sigulda. Gefördert durch den EU-Regionalfonds (wie so vieles in Litauen und Lettland, ich habe selten so oft das EU-Zeichen gesehen wie bei dieser Reise).

 

Der Kontrast zu soviel mittelalterlichen Burgen an dem Tag: Bungeespringen! Eigentlich wollte ich nur mit der Seilbahn auf die andere Talseite rüberfahren, aber es hieß: heute abend nur noch Bungee-Sprünge. Also sprang ich. Aus der Gondel, 40m über dem Fluss. Rundum Wälder, Burgen und die langsam untergehende Sonne.

vor dem Sprung

Ankommen am Flussufer

 

Die Seilbahn schwebt über dem Fluss

 

Am nächsten Tag ächzte ich mit dem Fahrrad den Berg hoch zur nächsten Burg, an die ein ganzes Freilichtmuseum angeschlossen war. Was die Bus-Touristengruppen natürlich kaum interessierte (die konzentrierten sich voll auf die Burg), aber um so besser für mich.

Sauna aus dem 19. Jahrhundert. Es duftete überall nach frischen Blumen und Grünzeug, das zum Trocknen aufgehängt war und anscheinend für das Saunaritual benutzt wurde. (Freilichtmuseum Tureida)

Burg Tureida (Blick vom Turm runter auf den Fluss Gauja)

Bar “Makks un Morics” 🙂

Read Full Post »

Kaum hatte ich meinen Litauisch-Wortschatz innerhalb einer Woche von eins auf geschätzte 20 Wörter gesteigert, ging’s ans umgewöhnen. Lettisch hat gewisse Ähnlichkeiten mit Litauisch, hört sich aber sehr anders an.

In Liepaja war ich in einem ziemlich coolen Hotel: mein Zimmer war teils rosa gestrichen, teils mit Kuss-Szenen aus alten Schwarzweissfilmen tapeziert, uriger Holzfußboden, die Dachschräge und ein sehr bequemes altes Ledersofa sorgten für Gemütlichkeit.

Hotel “Fontaine”, Liepaja: Aufenthaltsbereich

Mein Zimmer – bzw. ein Ausschnitt davon – im Hotel Fontaine. Das außergewöhnlichste Hotel in dem ich jemals war.

In der Stadt war Musik sehr präsent: als Wegweiser für einen Stadtrundrang dienten in den Boden eingelassene silberne Musiknoten, in der Fußgängerzone dudelte Musik des dort befindlichen Radiostudios und ein paar Meter weiter im “Latvian First Rockcafé” lief alles von Elvis und den Beatles über Guns ‘n’ Roses bis hin zu Pink. Schon zu Sowjetzeiten gab es in der Stadt ein großes Rockfestival und jetzt gibt es wohl auch mehrere Musik-Festivals.

Straßenecke

Liepaja – city of Rock

Ich mietete – mal wieder – ein Rad und erkundete so die Stadt (leider sind die Straßen da recht fahrraduntauglich: grobes Kopfsteinpflaster fast überall). Fuhr zum Strand (Ostsee!) und entdeckte einige nette ehemalige Sommerhäuser, bummelte etwas über den Markt und erlebte abends um elf (!!) den Sonnenuntergang an den Docks (tja, je nördlicher desto länger bleibt’s im Sommer abends hell).

Aufgenommen um kurz nach elf abends! Die Docks waren früher für Zivilisten Sperrzone, und auch die beiden Schiffe auf dem Bild sahen ziemlich wenig zivil aus. Zu Sowjetzeiten war ein Drittel der Stadt militärisches Sperrgebiet und Liepaja ein wichtiger Marinestützpunkt.

Detail Häuserfassade

Markt und Markthalle Liepaja

Ostseestrand mit feinstem Sand

Sommervilla nahe dem Strand

Sehr berührt hat mich mein Besuch im Besatzungsmuseum. Am Empfang saß ein schon um 11 Uhr morgens nach Alkohol riechender Russe, der kaum Englisch sprach aber sich rührend bemühte, mir das Museum zugänglich zu machen. Erstmal indem er mich umsonst reinließ, und dann versuchte, mit seinen wenigen Brocken Englisch mich auf einige besonders interessanten Dinge in der Ausstellung hinzuweisen. Die war nämlich komplett auf lettisch, aber anscheinend war ein Audioguide auf Englisch in Vorbereitung und er drückte er mir die Texte dazu in die Hand. So streifte ich durch die menschenleere Ausstellung.
Lettland war – ähnlich wie Litauen – zuerst von den Russen, dann kurz von den Nazis und dann wieder von den Russen besetzt, und diese Okkupationszeiten zeichnete die Ausstellung nach mithilfe von Fotos, Dokumenten, Postern und etlichen original Gegenständen: Zum Beispiel dem Molotov-Rippentorp-Protokoll, das das Schicksal der baltischen Staaten besiegelte. Oder einem Foto des Stadtzentrums des damaligen Liebau nach dem zweiten Weltkrieg, eine Steinwüste, in der gerade mal noch zwei Häuser heil geblieben waren. Oder eine original Wahlurne aus Sowjetzeiten: es war vorgeschrieben, dass in den Wahllokalen ein Porträt von Stalin hängen musste (dabei stand das Wahlergebnis doch sowieso schon von vorne herein fest!). Im Flur des Museums hingen meterlange Listen mit Namen von Letten, die von den Sowjets in entlegene Regionen Russlands deportiert wurden.
Der Schluss der Ausstellung war dann weniger düster: die Unabhängigkeit Lettlands 1991.

Read Full Post »

Die nur 3km breite aber rund 100km lange Halbinsel liegt wie eine Nadel vor der Küste Litauens – und Russlands (Enklave Kaliningrad alias Königsberg). Sie  ist UNESCO-Weltnaturerbe und natürlich Naturschutzgebiet.

Die kurische Nehrung ist ein Erlebnis für alle Sinne:
Hören: das Rauschen der Wellen am Strand, das Zwitschern der Vögel im Wald
Riechen: die klare Meeresluft, und vor allem: den würzigen Duft der Kiefern
Fühlen: den feinsten Sand den ich kenne durch die Finger rieseln lassen. Den Fahrtwind beim Radfahren, die Wärme der Sonne auf der Haut spüren.
Schmecken: frisch geräucherten Fisch – ein absoluter Genuss! (sieh Foto unten)
Sehen: hohe Sanddünen, dichte Kiefernwälder, das Meer das nie weit ist, urige Holzhäuser,…

Man muss es selbst erlebt haben. Das Leben scheint hier seinen eigenen, langsameren Rythmus zu gehen, die Natur ist einfach traumhaft schön, der Tourismus angenehm sanft… Ich habe die Ruhe und die überwältigende Schönheit der Natur in mich aufgesogen und will wieder dahin, dann mit viiiel Zeit. (Und mit Visum für den russischen Teil)

Wetterfahnen

 

Reetgedecktes Holzhaus in Nidda

 

so schön kann Rost sein…

 

frisch geräucherter Fisch in einer Art Besenwirtschaft. Ultra-lecker, mehr als ein wenig Brot dazu braucht es gar nicht.

 

ausrangiertes Schiff nahe Perwelka

 

auf der rund 50m hohen Parnidder Düne

 

nochmal Parnidder Düne, Blick runter auf Nida und das Haff

Read Full Post »

Klaipeda

Klaipeda hieß früher Memel und man kann durchaus deutsche Spuren in der Stadt finden, vor allem architektonische, wie die vielen Fachwerkhäuser in der Altstadt oder auch die Statue von Ännchen von Tharau vor dem Theater von dessen Balkon Hitler den “Anschluss des Memellandes an das Reich” verkündete.

Altstadt von Klaipeda

 

Fachwerkhäuser in Klaipeda

Ich hatte das Glück, die Stadt nicht nur unter touristischen Gesichtspunkten kennenzulernen. Mit zwei Litauerinnen und einem Franzosen zog ich zwei Abende lang durch die Stadt und entdeckte dabei: ein riesiges Shoppingcenter nach amerikanischem Vorbild (das größte im ganzen Baltikum), eine gemütliche Künstlerkneipe in der Innenstadt, eine Karaokebar in der wir ein süßes Gebräu auf Basis von Brot und Trauben tranken. Und wir fuhren durch die Vororte hinaus an den Strand wo wir bei Sonnenuntergang eine kleine Wasserschlacht hatten.
Nichts spektakuläres, aber das war mIm Hafenir wichtiger als stundenlang alleine Sehenswürdigkeiten abzuklappern.

Klaipedas Altstadt ist recht klein im Vergleich zum Rest der Stadt. Und Bauten aus der Sowjetzeit gehören genauso zum Stadtbild wie die großen Einkaufszentren etwas außerhalb und natürlich die vielen Kräne am Hafen (der größte Litauens).

Wohnblock aus Sowjetzeiten

russisch-orthodoxe Kirche

 

Meine Zeit in Klaipeda war bisher der Höhepunkt meiner Reise, weil mir die Stadt gefällt, wegen der tollen Ausflüge auf die kurische Nehrung und sicherlich auch weil ich hier tollen Anschluss gefunden habe, Kontakt zu zwei völlig unterschiedlichen Generationen: der ca. 75-jährigen Nijole und Airida dürfte so Anfang 20 sein.

ehemaliges Schulschiff

 

Read Full Post »

In die Küstenstadt Palanga wollte ich eigentlich gar nicht. Aber die ältere Dame neben mir im Bus sagte ich müsse die Stadt einfach sehen, und im Laufe der 3-stündigen Busfahrt freundete ich mich soweit mit ihr an, dass wir uns für den nächsten Tag dort verabredeten.

Ich war ein bisschen vor der verabredeten Zeit da und schlenderte durch die Fußgängerzone zum Strand. Grässlich, ich weiss warum ich diese Stadt auslassen wollte. Der reinste Jahrmarkt für Touristen.

Karikaturistin bei der Arbeit. Die Fußgängerzone in Palanga hat etwas von einem Jahrmarkt: überall riecht es süßlich-fettig nach frittierten Teigbällchen, an jeder Ecke kann man Eis oder Zuckerwatte kaufen, die schönen Holzhäuser verschwinden hinter den riesigen Sonnenschirmen und überdachten Terrassen für die Touristen, und für ein paar Litas kann man sich mti einer echten Schlange oder einem Papageien ablichten lassen.

 

Aber dann traf ich mich mit Nijole und der Tag war gerettet. Sie muss mindestens 75 sein, denn sie erzählte mir dass sie in den vierziger Jahren als 7-jähriges Kind von einem deutschen Soldaten ein Fahrrad lieh. Sie konnte ein paar Brocken deutsch, mischte das mit wackeligen Englisch-Grundkenntnissen und wenn sie nicht weiterwusste Litauisch. Das ergab dann Sätze wie: “In my Jugend time, I go to conservatorije, Musik conservatorije” und ich erriet daraus, dass sie meinte dass sie Musik studiert hat. Trotz ihres Alters leitet sie immer noch Jugendchöre und dirigiert (vermutlich Orchester, aber so genau konnte ich das nicht entschlüsseln), und ist durch die Musik schon ganz schön in Europa rumgekommen. Eine lebenslustige Frau, die mir -soweit das eben bei der Sprachbarriere ging- auch einiges darüber erzählte, wie sie und ihre Familie die deutsche, dann die sowjetische Besatzungszeit und dann die Unabhängigkeit Litauens erlebte (z.B. “Weil meine Tochter einen Amerikaner heiratete, wurde ich vom KGB bespitzelt”).

Nahe dem Strand gab es ein Folklore-Festival mit Tanzaufführungen, Gesang und Gedichten, es wimmelte nur so von Menschen in unterschiedlichn Trachten: Tataren, Karäer, Weissrussen usw. Nachdem wir eine ganze Weile zugehört und -geguckt hatten, furhen wir mit unseren   Rädern zum Bernsteinmusum und zu dem Teil des  Strands, der fast menschenleer war. Wassertemperatur “one-three celsius” (13 Grad) befand Nijole, die tatsächlich ihre Füße reinstreckte. Ein gelungener Tag!

Mit Nijole am Strand von Palanga

 

Bernstein mit allerlei eingeschlossenem Getier, Bernsteinmuseum Palanga

 

Frauen in weissrussischer (?) Tracht auf einem Folkore-Festival in Palanga

 

 

Read Full Post »

Older Posts »